
Erpressungsmail erhalten? Ruhig bleiben – das jetzt tun
„Ich habe dich über deine Kamera gefilmt – zahle, sonst…“ Solche Erpressungsmails sind fast immer ein Bluff. So reagierst du richtig: nicht zahlen, nicht antworten, ruhig handeln.
- Nicht zahlen. Kein Geld, keine Kryptowährung – das ist genau das Ziel der Täter.
- Nicht antworten und nicht auf Links oder Anhänge klicken.
- Beweise sichern: Screenshot der Mail mit Absender und vollständigem Text.
- Passwort prüfen: Steht in der Mail ein echtes Passwort von dir, ändere es überall, wo du es nutzt.
Erst einordnen: fast immer ein Bluff
Sogenannte Sextortion-Mails behaupten, man habe dich über deine Webcam gefilmt oder dein Gerät gehackt, und droht mit Veröffentlichung – es sei denn, du zahlst. In der überwältigenden Mehrheit der Fälle ist das eine leere Drohung. Die Täter verschicken dieselbe Mail an Hunderttausende und hoffen, dass ein kleiner Teil aus Angst zahlt.
Oft steht in der Mail ein echtes altes Passwort von dir, um Eindruck zu machen. Das stammt aber aus einem früheren Datenleck, nicht aus einem Hack deines Geräts. Es beweist nicht, dass jemand Zugriff auf deine Kamera hat.
So sieht so eine Mail typischerweise aus – die vier Druckmittel sind markiert:
Ich weiß, dass eines Ihrer Passwörter Sommer2019! lautet. Über dieses habe ich Zugriff auf Ihr Gerät erhalten.
Ich habe Schadsoftware installiert und Sie über Ihre Webcam gefilmt. Zahlen Sie innerhalb von 48 Stunden 1.200 $ in Bitcoin, sonst sende ich das Video an alle Ihre Kontakte.
Meine Bitcoin-Adresse: bc1qxy2kgdygjrsqtzq2n0yrf2493p83kkfjhx0wlh
- Gefälschter Absender: die Mail scheint von deiner eigenen Adresse zu kommen – ein technischer Trick (Spoofing), kein Beweis für einen Hack.
- Altes Passwort als Druckmittel: stammt aus einem früheren Datenleck, nicht von deinem Gerät. Ändere es trotzdem überall, wo du es noch nutzt.
- Frist & Drohung: knappe Frist plus Bloßstellung – das Standardmuster jeder Erpressung. Fast immer ein leerer Bluff.
- Bitcoin-Forderung: anonyme Zahlung ohne Rückweg. Niemals zahlen – das markiert dich als lohnendes Ziel.
Sofortmaßnahmen Schritt für Schritt
Was du jetzt tun solltest
- Ruhig bleiben – Zeitdruck und Angst sind die Werkzeuge der Erpresser.
- Nicht zahlen und nicht antworten.
- Screenshot der Mail als Beweis sichern (Absender, Betreff, Text).
- Genanntes Passwort ändern, falls du es noch irgendwo verwendest – und dort 2FA aktivieren .
- Mail als Spam/Phishing markieren und anschließend löschen.
- Bei Sorge oder echtem Bezug: Anzeige bei der Polizei erstatten.
Was du auf keinen Fall tun solltest
- Nicht zahlen – wer zahlt, gilt als lohnendes Ziel und bekommt neue Forderungen.
- Nicht antworten, auch nicht, um „die Sache zu klären“.
- Keine Links oder Anhänge öffnen – sie können zusätzlich Schadsoftware enthalten.
- Nicht in Panik das Konto oder Gerät überstürzt löschen, bevor du Beweise gesichert hast.
Wen du kontaktieren solltest
- Polizei: Anzeige ist auch online möglich – besonders bei echtem Bildbezug oder wenn du bereits gezahlt hast.
- Verbraucherzentrale zur Einordnung und Meldung verdächtiger Mails.
- Deinen E-Mail-Anbieter: Mail als Phishing melden, damit ähnliche Nachrichten gefiltert werden.
- Bei Belastung: eine Beratungsstelle – du musst das nicht allein durchstehen.
Beweise sichern
Bevor du die Mail löschst, mach Screenshots: Absenderadresse, Betreff, vollständiger Text und eventuell genannte Zahlungsadressen (z. B. eine Bitcoin-Adresse). Das hilft bei der Anzeige und der Meldung. Lösche die Mail erst danach.
Danach dauerhaft schützen
Eine Erpressungsmail ist meist nur Spam – aber sie erinnert dich an die Basics:
- Datenleck prüfen : Schau nach, ob deine Adresse in bekannten Lecks auftaucht.
- Passwortmanager nutzen: einzigartige Passwörter machen alte Lecks wertlos.
- Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren – selbst ein bekanntes Passwort reicht dann nicht.
- Webcam abdecken, wenn es dich beruhigt – schadet nie.
Häufige Fragen
Die Mail enthält ein echtes Passwort von mir. Wurde ich wirklich gehackt?
Sehr wahrscheinlich nicht. Solche Passwörter stammen aus alten Datenlecks und werden massenhaft mitverschickt, um die Drohung glaubwürdig zu machen. Wenn du das Passwort noch irgendwo nutzt, ändere es sofort – das ist die eigentliche Gefahr, nicht die Drohung.
Sollte ich antworten oder verhandeln, um Zeit zu gewinnen?
Nein. Jede Reaktion zeigt den Erpressern, dass deine Adresse aktiv ist, und du erhältst mehr Mails. Nicht antworten, nicht zahlen, nicht auf Links klicken – einfach Beweise sichern und die Mail melden.
Was, wenn die Drohung echt wäre und tatsächlich Material existiert?
Auch dann gilt: Zahlen schützt nicht, sondern markiert dich als zahlungsbereit. Sichere Beweise, erstatte Anzeige bei der Polizei und hol dir Unterstützung – etwa bei der Verbraucherzentrale oder einer Beratungsstelle. Bei echtem Bildmaterial kann die Polizei Löschungen veranlassen.