Ransomware: PC verschlüsselt – was du jetzt tun musst

Ransomware: PC verschlüsselt – was du jetzt tun musst

Plötzlich sind alle Dateien gesperrt und ein Erpresserschreiben fordert Lösegeld? Trenne das Gerät sofort vom Netz – und zahle nicht. So gehst du Schritt für Schritt vor.

Wenn der Bildschirm gerade Lösegeld fordert – tu das jetzt
  1. Gerät sofort vom Netz trennen: WLAN aus, LAN-Kabel ziehen – damit sich die Verschlüsselung nicht weiter ausbreitet.
  2. Andere Geräte und externe Festplatten trennen, die am selben Netz oder PC hängen.
  3. Nicht zahlen und nichts überstürzt löschen.
  4. Erpresserschreiben fotografieren als Beweis (mit dem Handy, nicht am PC).

Erst einordnen: Was ist Ransomware?

Ransomware ist Schadsoftware, die deine Dateien verschlüsselt und dann Lösegeld für die Entschlüsselung verlangt – meist in Kryptowährung und mit knapper Frist. Das Wichtigste zuerst: Die Verschlüsselung breitet sich über Netzwerke aus. Je schneller du das Gerät isolierst, desto weniger Schaden entsteht an anderen PCs, NAS-Systemen und Cloud-Laufwerken.

Diese Fragen führen dich sicher durch die ersten Entscheidungen:

1Ist das Gerät noch mit Netzwerk oder externen Speichern verbunden?

Ja
  • Sofort isolieren: WLAN/LAN trennen, externe Speicher abziehen
  • Weitere PCs im Haushalt prüfen und ebenfalls vom Netz nehmen
Nein
  • Gut, bleibt isoliert. Erpresserschreiben und Dateiendungen fotografieren

2Hast du ein sauberes, getrenntes Backup?

Ja
  • Backup NICHT an den infizierten PC anschließen
  • Erst System sauber neu aufsetzen, dann aus dem Backup zurückspielen
Nein
  • Verschlüsselte Dateien aufbewahren – evtl. gibt es später einen Schlüssel
  • Bei „No More Ransom“ nach einem kostenlosen Entschlüsselungstool suchen

3Denkst du über eine Lösegeldzahlung nach?

Ja
  • Nicht zahlen – keine Garantie und du finanzierst die Täter
  • Professionelle Hilfe erwägen, Fall bei der Polizei anzeigen
Nein
  • Richtig. System neu installieren und aus geprüftem Backup wiederherstellen

Sofortmaßnahmen Schritt für Schritt

Was du jetzt tun solltest

  • Isolieren: befallenes Gerät vom WLAN/LAN trennen, externe Speicher abziehen.
  • Ausbreitung stoppen: weitere PCs im Haushalt prüfen und ebenfalls vom Netz nehmen.
  • Beweise sichern: Erpresserschreiben und Dateiendungen fotografieren.
  • Variante identifizieren: über „No More Ransom“ prüfen, ob ein kostenloses Entschlüsselungstool existiert.
  • Daten sichern: verschlüsselte Dateien aufbewahren – evtl. gibt es später einen Schlüssel.
  • System neu aufsetzen: Windows sauber neu installieren, dann erst aus geprüftem Backup zurückspielen.

Was du auf keinen Fall tun solltest

  • Nicht zahlen – keine Garantie auf Entschlüsselung, und du finanzierst die Täter.
  • Backup-Festplatte nicht an den infizierten PC anschließen – sonst wird auch sie verschlüsselt.
  • Dateien nicht überstürzt löschen – sie könnten mit einem späteren Tool zu retten sein.
  • Nicht einfach weiterarbeiten in der Hoffnung, es „verschwindet von selbst“.

Wen du kontaktieren solltest

  • Polizei: Ransomware ist eine Straftat – erstatte Anzeige (auch online möglich).
  • Eine IT-Fachkraft oder den Hersteller-Support, wenn du dir die Bereinigung nicht zutraust.
  • Bei betroffenen Firmen- oder Vereinsdaten: zusätzlich den Datenschutzbeauftragten, da eine Meldepflicht bestehen kann.

Daten wiederherstellen

Die sicherste Quelle ist ein sauberes Backup, das nicht mit dem PC verbunden war. Für viele Ransomware-Familien gibt es zudem kostenlose Entschlüsselungstools – das internationale Projekt „No More Ransom“ sammelt sie. Identifiziere zuerst die Variante (das Erpresserschreiben oder die Dateiendung hilft), bevor du etwas ausprobierst.

Danach dauerhaft schützen

Der beste Schutz gegen Ransomware ist Vorbeugung:

  • Backup einrichten : regelmäßige Sicherungen, von denen mindestens eine offline liegt.
  • Windows sicher machen : Updates und Defender schließen die meisten Einfallstore.
  • Phishing erkennen : Die meisten Infektionen kommen über manipulierte Anhänge und Links.
  • Keine Programme aus dubiosen Quellen oder „Cracks“ installieren.
Faustregel Ein Backup ist nur dann ein echtes Backup, wenn es getrennt vom PC aufbewahrt wird. Eine dauerhaft angeschlossene Festplatte verschlüsselt die Ransomware gleich mit.

Häufige Fragen

Soll ich das Lösegeld zahlen, um meine Daten zurückzubekommen?

Behörden raten klar davon ab. Es gibt keine Garantie, dass du nach der Zahlung einen funktionierenden Schlüssel erhältst, und du finanzierst weitere Angriffe. Setze stattdessen auf Backups und prüfe, ob es ein kostenloses Entschlüsselungstool für deine Variante gibt.

Kann ich meine Dateien ohne Zahlung wiederherstellen?

Oft ja. Die sicherste Quelle ist ein sauberes Backup, das nicht mit dem PC verbunden war. Für viele Ransomware-Familien gibt es zudem kostenlose Entschlüsselungstools, etwa über das Projekt „No More Ransom“. Bewahre die verschlüsselten Dateien auf, falls später ein Tool erscheint.

Muss ich Windows komplett neu installieren?

In den meisten Fällen ist eine vollständige Neuinstallation der sauberste Weg, um sicher zu sein, dass keine Schadsoftware zurückbleibt. Spiele Daten erst danach aus einem geprüften Backup zurück – nicht vorher.

Themen: Notfall