Fake-Rechnung und falsche Mahnung erkennen

Eine Mahnung über 89 € von einem Dienst, den du nie gebucht hast – mit Frist, Anwaltsdrohung und Zahlungslink. So prüfst du in drei Minuten, ob die Forderung echt ist.

Falsche Rechnungen funktionieren, weil sie an eine ehrliche Sorge andocken: Habe ich etwas vergessen zu bezahlen? Genau dieser Reflex führt zur schnellen Überweisung oder zum Klick auf den Anhang. Dabei lässt sich in wenigen Minuten klären, ob eine Forderung echt ist – und zwar ohne den Absender zu kontaktieren.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nie über den Link in der Nachricht zahlen oder prüfen.
  • Im eigenen Kundenkonto nachsehen – dort steht jede echte Rechnung.
  • Anhänge nicht öffnen, besonders keine ZIP- oder Office-Dateien.
  • Korrekte Namen und Adressen beweisen nichts – sie stammen oft aus Datenlecks.
  • Echte Mahnbescheide kommen per Post im gelben Umschlag, nie per E-Mail.

So sieht eine gefälschte Rechnung aus

Beispiel – gefälschte Rechnung
Von
Abrechnungsservice <[email protected]>
Betreff
Letzte Mahnung: offener Betrag 89,90 € – Frist 48 Stunden

Sehr geehrte Damen und Herren,

für Ihr Abonnement steht ein Betrag von 89,90 € offen. Trotz mehrfacher Erinnerung erfolgte keine Zahlung. Bei Nichtzahlung innerhalb von 48 Stunden übergeben wir den Vorgang an unser Inkassobüro.

Die vollständige Aufstellung entnehmen Sie bitte dem beigefügten Anhang (Rechnung_89419.zip).

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Mit freundlichen Grüßen
Ihre Abrechnungsabteilung

Die Warnzeichen in dieser Mail:
  1. Absender ohne Firmenbezug: eine erfundene Sammel-Domain wie rechnung-service-24.net. Ein echter Anbieter mailt von seiner eigenen Domain.
  2. Frist & Inkasso-Drohung: 48 Stunden plus Inkasso – echte Zahlungsfristen sind länger und die Eskalation kommt nicht im ersten Schreiben.
  3. Keine Kundennummer: keine Vertrags- oder Kundennummer, keine Leistungsbeschreibung. Eine echte Rechnung ist eindeutig zuordenbar.
  4. ZIP-Anhang: Rechnungen kommen als einfaches PDF. Ein Archiv oder eine Office-Datei mit Makro-Hinweis enthält fast immer Schadsoftware.
  5. Fremde Zahlungsseite: der Link führt nicht in dein Kundenkonto, sondern auf eine nachgebaute Zahlungsseite mit ungewöhnlicher Endung.

Die typischen Varianten

Absender-VorwandBetragKernmasche
Streaming- oder Abo-Dienst30–90 €Zahlungslink auf nachgebaute Seite
Inkassobüro100–500 €Drohung mit Schufa-Eintrag und Anwalt
Telefonanbieter, EnergieversorgervariabelZugangsdaten fürs Kundenkonto
Online-Shop, MarktplatzkleinAnhang mit Schadsoftware
Behörde, FinanzamthochAngst plus enge Frist
Werbeeintrag, Branchenbuch300–900 €Nutzt Gewerbetreibende, oft per Post

Die Warnzeichen

Daran erkennst du die Fälschung

  • Leistung unbekannt: Du kannst dich an keine Bestellung erinnern, und es fehlt eine nachvollziehbare Bestellnummer.
  • Zahlungslink statt Kundenkonto: Echte Anbieter verweisen auf dein Konto, nicht auf eine externe Zahlungsseite.
  • Drohkulisse: Anwalt, Inkasso, Schufa, Gerichtsvollzieher – innerhalb weniger Tage.
  • Sehr kurze Frist: 24 bis 72 Stunden. Echte Zahlungsfristen sind länger.
  • Anhang statt Text: ZIP-Datei, Office-Datei mit Makro-Hinweis, doppelte Dateiendung.
  • Absenderadresse passt nicht zur angeblichen Firma – siehe Link prüfen, bevor du klickst .
  • Ungewöhnliche Zahlungswege: Sofortüberweisung, Krypto, Gutscheine, ausländische IBAN.
Der Anhang ist das eigentliche Risiko Bei vielen dieser Mails geht es gar nicht um dein Geld, sondern um deinen Rechner. Der angebliche Rechnungsanhang installiert Schadsoftware – häufig Ransomware . Öffne Anhänge nur, wenn du die Rechnung erwartest und den Absender geprüft hast.

So prüfst du in drei Minuten

  1. Im Kundenkonto des angeblichen Anbieters nachsehen – über die App oder die selbst eingetippte Adresse. Steht dort keine offene Rechnung, ist die Sache erledigt.
  2. Kontoauszüge prüfen: Gibt es überhaupt eine Vertragsbeziehung zu diesem Anbieter?
  3. Firma und IBAN suchen: Bei Betrugsmaschen finden sich meist innerhalb von Minuten Warnungen anderer Betroffener.
  4. Bei echter Unsicherheit: Anbieter über die Nummer aus deinem Vertrag anrufen – nie über Kontaktdaten aus der Mahnung.

Die Regel, die alles klärt

Jede echte Forderung lässt sich in deinem Kundenkonto oder auf deinem Kontoauszug nachvollziehen. Findest du dort nichts, brauchst du weder zu zahlen noch zu antworten. Der Absender ist nicht die Quelle der Wahrheit – dein eigenes Konto ist es.

Wenn du schon gezahlt hast

  • Bank sofort kontaktieren und fragen, ob die Zahlung noch zurückgeholt werden kann: Geld an Betrüger überwiesen .
  • Bei Kartenzahlung über den Zahlungsanbieter widersprechen und Karte prüfen lassen: Kreditkarte missbraucht .
  • Anzeige erstatten und alle Nachrichten als Beweis sichern.

Wenn du den Anhang geöffnet hast

Trenne den Rechner vom Netzwerk und geh nach Ransomware – PC verschlüsselt beziehungsweise Phishing-Link angeklickt vor. Zahl in keinem Fall ein Lösegeld, bevor du dein Backup geprüft hast.

Der Sonderfall: echter Mahnbescheid

Ein gerichtlicher Mahnbescheid kommt immer per Post in einem gelben Umschlag, trägt ein Aktenzeichen und nennt das zuständige Amtsgericht. Diesen darfst du nicht ignorieren: Widerspruch ist innerhalb von 14 Tagen möglich, und zwar auf dem beiliegenden Formular. Auch hier gilt aber: Er beweist nicht, dass die Forderung berechtigt ist – er ist nur ein formales Verfahren.

Alle weiteren Maschen findest du im Überblick Phishing & Betrug , die Grundlagen in Phishing-Mails und SMS erkennen .

Häufige Fragen

Muss ich auf eine falsche Mahnung antworten?

Nein. Auf eine Mahnung für eine erfundene Forderung musst du nicht reagieren – eine Antwort bestätigt Betrügern nur, dass deine Adresse aktiv ist. Anders liegt der Fall bei einem gerichtlichen Mahnbescheid: Der kommt in gelbem Umschlag per Post und muss innerhalb von 14 Tagen widersprochen werden.

Woran erkenne ich einen gefährlichen Anhang?

An der Dateiendung und daran, dass er sich beim Öffnen freischalten will. Rechnungen als ZIP-Archiv, als Office-Datei mit Makro-Warnung oder mit doppelter Endung sind fast immer Schadsoftware. Eine echte Rechnung ist meist ein einfaches PDF – oder liegt in deinem Kundenkonto.

Die Mahnung nennt meinen richtigen Namen und meine Adresse. Ist sie dann echt?

Nein. Korrekte persönliche Daten stammen häufig aus Datenlecks und sind heute Standard bei gut gemachten Fälschungen. Sie sind kein Echtheitsbeweis, sondern nur ein Zeichen, dass die Betrüger mehr über dich wissen.

Themen: Phishing, Betrugsschutz, E-Mail