Falscher Support-Anruf: die Microsoft-Masche erkennen
„Ihr Computer ist infiziert“ – ein angeblicher Techniker will nur schnell helfen. Am Ende hat er Zugriff auf deinen PC und dein Konto. So durchschaust du den Anruf sofort.
- Auflegen. Keine Diskussion, keine Rückfragen – das Gespräch ist der Angriff.
- Keine Software installieren und keinen Fernzugriff gewähren.
- Keine Zahlung per Karte, Überweisung oder Gutscheincodes.
- Nummer blockieren und die Masche in der Familie ansprechen.
Vishing – Betrug per Anruf – funktioniert seit Jahren, weil es die Reihenfolge umdreht: Statt dass du Hilfe suchst, kommt die Hilfe zu dir. Wer freundlich, technisch und hilfsbereit klingt, überwindet Misstrauen schneller als jede gefälschte Mail. Die Masche hat aber ein festes Drehbuch – und wer es kennt, erkennt sie im ersten Satz.
Das Drehbuch der Masche
- Der Einstieg: Ein angeblicher Techniker von Microsoft, deinem Internetanbieter oder einer „Sicherheitsabteilung“ meldet einen Virenbefall oder verdächtigen Datenverkehr.
- Der Beweis: Du sollst die Windows-Ereignisanzeige öffnen. Dort stehen immer gelbe und rote Einträge – völlig normal, aber sie wirken alarmierend.
- Der Zugriff: Du sollst ein Fernwartungsprogramm installieren, damit er „das Problem behebt“.
- Der Schaden: Er installiert Schadsoftware, öffnet dein Online-Banking oder verlangt Geld für die „Reparatur“.
- Die Nachbereitung: Monate später ruft ein „Rückerstattungs-Team“ an – und wickelt eine zweite Masche ab.
Die Warnzeichen
Immer ein Betrugsversuch, wenn …
- der Anruf unaufgefordert kommt und ein technisches Problem meldet,
- du Fernzugriff auf deinen Rechner geben sollst,
- Software installiert werden soll, die du nicht kennst,
- Bezahlung per Gutscheincodes, Krypto oder Sofortüberweisung verlangt wird,
- der Anrufer Druck macht oder dich nicht auflegen lassen will,
- er nach Passwörtern, TANs oder Banking-Zugängen fragt.
Die Browser-Variante
Dieselbe Masche gibt es ohne Anruf: Beim Surfen erscheint plötzlich eine ganzseitige Warnung mit Sirenengeräusch – „Ihr System ist infiziert, rufen Sie sofort diese Nummer an“. Das ist eine ganz gewöhnliche Webseite, kein Systemalarm. Dein Rechner ist nicht infiziert.
Richtig reagieren: Ton stumm schalten, Browser über den Task-Manager beenden (nicht auf „Schließen“ in der Seite klicken), beim Neustart die Sitzung nicht wiederherstellen. Die angezeigte Nummer niemals anrufen.
Die eine Regel
Support rufst du an – Support ruft dich nicht an. Kein seriöses Unternehmen meldet sich unaufgefordert wegen Viren auf deinem privaten Rechner. Diese eine Regel macht die gesamte Masche wirkungslos, egal wie überzeugend das Gespräch klingt.Wenn du Zugriff gegeben hast
Dann ist es ein Vorfall, kein Verdacht – handle in dieser Reihenfolge:
- Gerät vom Internet trennen und ausschalten.
- Von einem anderen, sauberen Gerät aus die wichtigsten Passwörter ändern: zuerst E-Mail, dann Banking, dann der Rest.
- Bank informieren und Kontobewegungen prüfen – bei Abbuchungen: Online-Banking-Betrug .
- Karten sperren über 116 116, falls Kartendaten sichtbar waren.
- Rechner neu aufsetzen oder fachlich prüfen lassen. Ein Virenscan allein reicht nach Fernzugriff nicht.
- Anzeige erstatten und Zahlungsbelege sichern.
Wurde bereits Geld überwiesen, zählt jede Minute: Geld an Betrüger überwiesen .
Die Masche auf einen Blick
Ein angeblicher Techniker von Microsoft oder dem Internetanbieter meldet einen Virenbefall und will per Fernwartung „helfen“ – tatsächlich übernimmt er den Rechner.
Woran du sie erkennst
- Unaufgeforderter Anruf wegen eines technischen Problems
- Harmlose Systemmeldungen werden als Beweis für einen Befall ausgegeben
- Fernzugriff, Softwareinstallation oder Zahlung per Gutscheincodes verlangt
Was du sofort tun solltest
- Auflegen – ohne Diskussion und ohne Rückfragen
- Support immer selbst anrufen, über die offizielle Nummer
Was du niemals tun solltest
- Fernzugriff auf den eigenen Rechner gewähren
- Passwörter, TANs oder Banking-Zugänge am Telefon nennen
In der Familie vorbeugen
Diese Masche trifft besonders häufig ältere Menschen, weil sie auf Höflichkeit und Respekt vor Autorität setzt. Zwei Sätze helfen mehr als jede Technik:
- „Ich rufe zurück“ – und dann die offizielle Nummer selbst heraussuchen.
- „Ich entscheide nichts am Telefon“ – als feste Familienregel für alle.
Mehr dazu in Senioren vor Betrug schützen und Schutz vor Schockanrufen . Klingt die Stimme am Telefon nach einem Angehörigen, lies zusätzlich Deepfake-Anruf erkennen .
Alle weiteren Maschen findest du im Überblick Phishing & Betrug .
Häufige Fragen
Ruft Microsoft jemals von sich aus an?
Nein. Weder Microsoft noch Apple, Google oder dein Internetanbieter rufen unaufgefordert wegen angeblicher Virenfunde an. Jeder solche Anruf ist ein Betrugsversuch – ohne Ausnahme.
Ich habe Fernzugriff auf meinen PC gegeben – was jetzt?
Trenne das Gerät sofort vom Internet und schalte es aus. Ändere anschließend von einem anderen, sauberen Gerät aus alle wichtigen Passwörter und informiere deine Bank. Der betroffene Rechner sollte vor der weiteren Nutzung neu aufgesetzt oder fachlich geprüft werden.
Warum wirkt der Anrufer so überzeugend?
Weil er echte Systemmeldungen zeigt, die harmlos sind – etwa die Windows-Ereignisanzeige mit ihren normalen Warneinträgen. Diese Meldungen gibt es auf jedem funktionierenden PC. Sie beweisen keinen Befall, sondern werden als angeblicher Beweis missbraucht.
Themen: Phishing, Betrugsschutz, Vishing