Link prüfen, bevor du klickst
Ein einziger Klick entscheidet oft, ob eine Betrugsmasche funktioniert. So liest du eine Adresse richtig, entpackst Kurzlinks und prüfst QR-Codes – ganz ohne Zusatzsoftware.
Die meisten Betrugsmaschen brauchen genau eine Handlung von dir: den Klick. Wer eine Adresse in zehn Sekunden lesen kann, entlarvt Phishing, bevor es gefährlich wird. Das Beste daran: Du brauchst dafür kein Programm und kein Abo – nur den Blick auf die richtige Stelle.
Das Wichtigste in Kürze
- Von rechts lesen: Die echte Domain steht direkt vor dem ersten einzelnen Schrägstrich.
- Angezeigter Text ≠ Ziel. Ein Link kann „sparkasse.de“ heißen und woanders hinführen.
- Das Schloss sagt nichts über Seriosität – nur über Verschlüsselung.
- Kurzlinks und QR-Codes vor dem Öffnen auflösen.
- Im Zweifel gar nicht klicken: Adresse selbst eintippen oder die App nutzen.
Schritt 1: Die echte Domain finden
Betrüger bauen bekannte Markennamen an Stellen ein, wo sie harmlos aussehen. Entscheidend ist immer nur ein Teil der Adresse: die Domain direkt vor dem ersten einzelnen Schrägstrich.
| Adresse | Echte Domain | Bewertung |
|---|---|---|
https://www.sparkasse.de/konto/login | sparkasse.de | echt |
https://sparkasse.de.login-portal.ru/konto | login-portal.ru | gefälscht |
https://sparkasse-sicherheit.com/verify | sparkasse-sicherheit.com | fremde Domain |
https://[email protected]/ | boese-seite.tld | Trick mit @ |
deine-bank.de.sicher-login.tld gehört zu sicher-login.tld. Ein Punkt macht aus einem Markennamen nur eine Unterdomain – keine Echtheitsgarantie.Schritt 2: Ziel anzeigen, ohne zu klicken
Der angezeigte Linktext ist nur Beschriftung. Das echte Ziel siehst du so:
Ziel eines Links sichtbar machen
- Am PC: Mauszeiger über den Link halten – unten links im Browser erscheint die echte Adresse. In Mailprogrammen genauso.
- Am Handy (Android/iOS): Link lange gedrückt halten, bis eine Vorschau mit der vollen Adresse erscheint. Dann „Abbrechen“ antippen.
- In E-Mails: Bei Zweifeln die Mail als reinen Text anzeigen lassen – dort steht die Adresse ausgeschrieben.
- Nie „nur mal kurz schauen“: Schon der Aufruf kann bestätigen, dass deine Adresse aktiv ist.
Schritt 3: Kurzlinks auflösen
bit.ly, t.co oder tinyurl verstecken das Ziel vollständig. Das ist bei Werbung normal – in einer angeblichen Bank- oder Paketnachricht ist es ein Warnsignal. Seriöse Absender verstecken ihre eigene Adresse nicht.
So machst du das Ziel sichtbar, ohne es zu öffnen:
- Bei vielen Diensten reicht ein
+am Ende der Kurz-URL (z. B.bit.ly/abc123+) – du landest auf einer Vorschauseite statt auf dem Ziel. - Alternativ die Adresse in einen Link-Expander oder in VirusTotal einfügen. Der Dienst öffnet die Seite für dich und zeigt Ziel und Bewertung an.
Schritt 4: QR-Codes prüfen
Ein QR-Code ist nichts anderes als ein Link, den du nicht lesen kannst – das macht ihn zum idealen Träger für Betrug („Quishing“). Aufgeklebte Codes auf Parkautomaten, Ladesäulen oder Restauranttischen sind ein bekanntes Angriffsmuster.
QR-Code sicher scannen
- Kamera-App nutzen, nicht eine beliebige Scanner-App aus dem Store.
- Vorschau lesen: Handy zeigt die Adresse an, bevor es öffnet. Erst dann entscheiden.
- Aufkleber ertasten: Klebt ein Code über einem anderen? Finger weg.
- Nie Zahlungsdaten über eine per QR geöffnete Seite eingeben – App oder getippte Adresse nutzen.
Schritt 5: Zertifikat und Seite gegenprüfen
Das Schloss im Browser bedeutet nur: Die Verbindung ist verschlüsselt. Es sagt nichts darüber, wem die Seite gehört. Trotzdem lohnt ein Blick:
- Schloss anklicken → „Verbindung ist sicher“ → Zertifikat anzeigen. Steht dort ein völlig anderer Firmenname als erwartet, ist Vorsicht angebracht.
- Kein Schloss oder Warnung des Browsers: sofort abbrechen. Niemals eine Zertifikatswarnung „wegklicken“.
- Impressum prüfen: Fehlt es oder ist es unvollständig, ist die Seite bei deutschen Anbietern schon rechtlich auffällig.
Die Regel, die alles ersetzt
Wenn eine Nachricht dich zu einem Login, einer Zahlung oder einer Datenbestätigung drängt: klick den Link gar nicht. Öffne die App oder tippe die Adresse selbst ein. Ist das Anliegen echt, findest du es auch dort.Wenn du schon geklickt hast
Ein Klick allein ist meist noch kein Schaden – kritisch wird es, wenn du Daten eingegeben oder etwas heruntergeladen hast. Den vollständigen Reaktionsplan findest du in Phishing-Link angeklickt – was jetzt? .
Woran du die Nachricht drumherum erkennst
Der Link ist nur ein Baustein. Absender, Zeitdruck und Anrede verraten die Masche oft schon vorher – ausführlich in Phishing-Mails und SMS erkennen . Speziell bei Paket- und Zoll-SMS lohnt der Blick in Paket-SMS und Smishing erkennen .
Weitere kostenlose Selbst-Checks findest du in unserer Übersicht Sicherheits-Tools .
Häufige Fragen
Woran erkenne ich die echte Domain in einer langen Adresse?
Lies die Adresse von rechts nach links bis zum ersten einzelnen Schrägstrich. Der letzte Teil vor diesem Schrägstrich ist die echte Domain. Bei sparkasse.de.login-portal.ru/konto lautet sie also login-portal.ru – nicht sparkasse.de.
Ist ein Schloss-Symbol im Browser ein Zeichen für Seriosität?
Nein. Das Schloss bedeutet nur, dass die Verbindung verschlüsselt ist. Auch Betrugsseiten haben heute fast immer ein gültiges Zertifikat. Verschlüsselt heißt nicht vertrauenswürdig.
Darf ich einen verdächtigen Link zum Testen einfach anklicken?
Nein. Nutze stattdessen einen Auflöse-Dienst für Kurzlinks oder gib die Adresse bei einem Scanner wie VirusTotal ein. So siehst du das Ziel, ohne die Seite zu öffnen.