Website gehackt: Soforthilfe in 8 Schritten

Fremde Werbung, Weiterleitungen oder eine Google-Warnung: Wenn deine Website gehackt wurde, zählt die richtige Reihenfolge. Diese acht Schritte bringen sie sauber zurück.

Die ersten 30 Minuten
  1. Nichts überstürzt löschen – Beweise und Logdateien werden noch gebraucht.
  2. Passwörter ändern: Hosting, CMS-Admin, FTP/SFTP, Datenbank, Domain-Konto.
  3. Alle Sitzungen beenden und unbekannte Admin-Konten entfernen.
  4. Wartungsseite aktivieren, wenn Besucher gefährdet sind.
  5. Hoster informieren – viele helfen bei Analyse und Bereinigung.

Ein gehackter Webauftritt fühlt sich wie ein Totalschaden an, ist aber meist reparabel. Entscheidend ist, in welcher Reihenfolge du vorgehst: erst Zugänge schließen, dann bereinigen, dann die Ursache beseitigen. Wer diese Reihenfolge umdreht, wird oft innerhalb weniger Tage erneut übernommen.

Woran du einen Hack erkennst

  • Weiterleitungen auf fremde Seiten, oft nur bei Aufruf über Suchmaschinen oder vom Handy.
  • Unbekannte Inhalte: neue Seiten, Links zu Pillen-, Glücksspiel- oder Fake-Shops.
  • Google-Warnung „Diese Website kann Ihren Computer schädigen“ oder eine Nachricht in der Search Console.
  • Massenhafter Spam-Versand über deine Domain, dadurch Zustellprobleme bei eigenen Mails.
  • Neue Benutzerkonten mit Admin-Rechten, die du nicht angelegt hast.
  • Plötzlich hohe Serverlast oder auffälliger Traffic ohne Anlass.

Was gilt in deinem Fall?

1Werden Besucher auf fremde Seiten weitergeleitet oder warnt Google vor deiner Website?

Ja
  • Wartungsseite aktivieren, damit Besucher nicht gefährdet werden
  • Hoster informieren – viele helfen bei Analyse und Bereinigung
  • Logdateien und einen Screenshot des aktuellen Stands als Beweis sichern
Nein
  • Seite kann online bleiben, aber zügig bereinigen
  • Search Console und Serverlast im Auge behalten

2Hast du bereits alle Zugänge geändert (Hosting, CMS, Datenbank, FTP, Domain)?

Ja
  • Unbekannte Admin-Konten löschen und Rechte der übrigen reduzieren
  • Überall Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren
Nein
  • Jetzt zuerst alle Passwörter ändern – vor dem Einspielen des Backups
  • Sonst ist die Seite nach der Bereinigung binnen Stunden wieder infiziert

3Hast du ein sauberes Backup von vor dem ersten Auffälligkeitsdatum?

Ja
  • Dateien und Datenbank zurückspielen, danach lokal prüfen
  • CMS, Theme und alle Erweiterungen aktualisieren
Nein
  • Inhalte exportieren und offline prüfen, dann CMS frisch installieren
  • Keine alten Skripte oder Themes ungeprüft übernehmen

4Könnten personenbezogene Daten Dritter betroffen sein (z. B. Kundendaten)?

Ja
  • Vorfall dokumentieren: welche Daten, ab wann
  • In der Regel binnen 72 Stunden der Datenschutzaufsicht melden
  • Betroffene informieren, wenn ein hohes Risiko besteht
Nein
  • Nach der Bereinigung Überprüfung in der Google Search Console anfordern

Die acht Schritte

Reihenfolge einhalten

  • 1. Beweise sichern: Logdateien, Screenshots und eine Kopie des aktuellen (verseuchten) Stands sichern – getrennt vom sauberen Backup.
  • 2. Zugänge sperren: Passwörter für Hosting, CMS, Datenbank, FTP/SFTP und Domain-Verwaltung ändern. Überall 2FA aktivieren.
  • 3. Nutzerkonten prüfen: Unbekannte Admins löschen, Rechte der übrigen Konten reduzieren.
  • 4. Sauberes Backup finden: den letzten Stand vor dem ersten Auffälligkeitsdatum. Nicht blind das neueste nehmen.
  • 5. Zurückspielen – Dateien und Datenbank. Danach lokal prüfen, bevor die Seite wieder öffentlich geht.
  • 6. Lücke schließen: CMS, Theme und alle Erweiterungen aktualisieren. Was du nicht brauchst, löschen statt deaktivieren.
  • 7. Neu prüfen: Seite scannen lassen, Weiterleitungen testen, Dateirechte kontrollieren.
  • 8. Freigabe beantragen: In der Google Search Console eine Überprüfung anfordern, damit die Warnung verschwindet.
Der teuerste Fehler Ein Backup einzuspielen, ohne vorher alle Passwörter zu ändern. Hat der Angreifer noch Zugangsdaten oder eine offene Sitzung, ist die Seite binnen Stunden wieder infiziert – und du fängst von vorn an.

Kein sauberes Backup vorhanden?

Dann bleibt der Neuaufbau, und der ist weniger dramatisch als er klingt:

  • Inhalte exportieren (Texte, Bilder, Produktdaten) und offline auf Auffälligkeiten prüfen.
  • CMS frisch installieren, nur benötigte Erweiterungen aus offizieller Quelle nachziehen.
  • Inhalte einspielen, aber keine alten PHP-Dateien, Uploads-Skripte oder Themes ungeprüft übernehmen.
  • Danach sofort ein Backup einrichten – siehe Website-Backup und Notfallplan .

Wenn Kundendaten betroffen sind

Sobald Daten Dritter abgeflossen sein könnten, ist es kein reines Technikproblem mehr:

  • Dokumentiere, welche Daten betroffen sind und ab wann.
  • Melde den Vorfall bei personenbezogenen Daten in der Regel binnen 72 Stunden an die Datenschutzaufsicht.
  • Informiere Betroffene, wenn ein hohes Risiko besteht – ehrlich und mit konkreter Handlungsempfehlung.
  • Verweise Betroffene auf Datenleck prüfen und E-Mail in einem Datenleck – was tun? .

Ursachen, die wir immer wieder sehen

UrsacheAnteil in der PraxisVorbeugung
Veraltetes Plugin oder Themesehr häufigautomatische Updates, ungenutzte Erweiterungen löschen
Schwaches oder wiederverwendetes Admin-PassworthäufigPasswortmanager plus 2FA
Gestohlene FTP-Zugangsdaten vom eigenen PChäufigRechner prüfen, siehe Windows sicher machen
Unsicheres Hosting oder veraltete PHP-VersionmittelHosting sicher wählen
Gekapertes Domain-Kontoselten, aber verheerendDomain und DNS absichern

Nach der Bereinigung zählt nur eins

Bereinigen ohne die Ursache zu finden bedeutet, den Hack in ein paar Wochen zu wiederholen. Wenn du nicht sagen kannst, wie jemand hereinkam, dann behandle alle vier Wege gleichzeitig: Erweiterungen, Passwörter, deinen eigenen Rechner und die Serverkonfiguration.

Danach: dauerhaft absichern

Wenn die Seite wieder läuft, arbeite die Grundlagen ab: WordPress-Website absichern oder Shopify-Shop absichern . Den Überblick über alle Schritte gibt der Bereich Website & Shop .

War auch dein eigener Rechner die Quelle der gestohlenen Zugangsdaten, geh zusätzlich nach Konto gehackt – Soforthilfe vor.

Häufige Fragen

Soll ich die Website sofort offline nehmen?

Bei aktiver Schadsoftware, Spam-Versand oder gestohlenen Kundendaten ja – eine Wartungsseite verhindert weiteren Schaden an Besuchern. Bei rein kosmetischen Änderungen reicht es meist, sie online zu lassen und zügig zu bereinigen.

Reicht es, das gehackte Plugin zu löschen?

Nein. Angreifer hinterlassen fast immer zusätzliche Hintertüren: veränderte Kerndateien, neue Admin-Konten oder Schadcode in der Datenbank. Ein sauberes Backup plus Passwortwechsel ist verlässlicher als selektives Löschen.

Muss ich einen Hack den Behörden melden?

Sind personenbezogene Daten Dritter betroffen – etwa Kundendaten aus einem Shop –, greift die Meldepflicht nach DSGVO: in der Regel innerhalb von 72 Stunden an die zuständige Datenschutzaufsicht. Im Zweifel anwaltlich prüfen lassen.

Themen: Website, Notfall, Absichern